Freitag, 19. Januar 2007

Schröders Moral

Wieso sollte eigentlich ein Mann, der nach seiner Zeit als Bundeskanzler seine Dienste dem letzten mordenden, folternden und bombenden Regime auf Europas Boden leiht zwecks Erpressung des restlichen Europas mit der Gas-Waffe, und der dem Oligokraten Putin demokratische Verhältnisse diamantener Reinheit attestiert, wieso sollte sich also er oder eine von ihm geführte Bundesregierung im demokratischen Washington für einen offenkundig unschuldig in Guantánamo einsitzenden Menschen mit deutschem Aufenthaltstitel einsetzen?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

So, und jetzt die Frage noch einmal formulieren, bitte, denn sie lautet wohl recht eigentlich anders als im (übrigens orthographisch zwar interessanten, leider aber nicht immer grammatikalisch richtigem) Text formuliert … um wen geht’s jetzt: um die ehemalige Bundesregierung oder um den ehemaligen Bundeskanzler?

Friedel B. hat gesagt…

@Anonymus:
Seltsam; mir war war der Inhalt der Fragestellung auf Anhieb ebenso klar wie die wohlbekannte Tatsache, dass jemand dann orthographische oder "grammatikalische" ("grammatisch" hätte auch genügt) Unzulänglichkeiten moniert, wenn ihm kein sachlicher Einwand einfällt. Es handelt sich nämlich ganz offenichtlich um eine rhetorische Frage, die wahrscheinlich bewusst so gestellt wurde, wie sie ein geübter Sprecher in einer Diskussion formuliert hätte. Sie ist damit kein Wunsch nach Klärung eines Sachverhalts, sondern stellt mit deutlicher Kritik fest, dass jemand, der sich aus finanziellen Gründen einem Regime wie dem derzeitigen russischen unterstellt, keinerlei moralischen Kredit besitzt, um sich beispielsweise über Guantanamo mit Anspruch auf Glaubwürdigkeit moralisch entrüsten zu können.

P.S. Der einzige Rechtschreibfehler, der mir in dem Beitrag aufgefallen ist ("diamentener" statt "diamantener"), hat seine Ursache ganz offensichtlich in einem einfachen Vertippen, das auch einem Germanistikprofessor jederzeit unterlaufen kann.

Anonym hat gesagt…

Stimmt, friedel b., inzwischen sind alle orthographischen Blüten entfernt - sogar das schöne, von Ihnen erwähnte "diamentener", welches einen seltenen poetischen Klang in diesen Text setzte.
Und auch die vormals seltsam formulierte Frage ist durch das Einfügen der Worte "… wieso sollte sich also er oder eine von ihm geführte Bundesregierung …" in eine sinnvolle überführt worden.

Das aber erklärt noch nicht, wieso Sie sich gegen ein Adjektiv aussprechen, welches sich an der zwar alten, aber immer noch ebenso gültigen Schreibweise orientiert: "grammatikalisch" (statt "grammatisch"); haben wir’s hier etwa mit einen Apologeten der neuen Rechtschreibreform zu tun, der lieber von "Kommas" als von "Kommata" spricht und auch lieber "Spagetti" isst?