Mittwoch, 18. März 2009

Papst und Kondome - Versuch einer medialen Hinrichtung

Nein, es ist egal, was der Papst sagt - jetzt scheint er fällig zu sein, die zweite Angriffswelle rollt gegen ihn, gegen seine Integrität. Eine medienweit orchestrierte Empörung baut sich auf über das, was Benedikt XVI. auf seiner Reise nach Afrika angeblich gesagt haben soll:

Papst Benedikt hatte zu Beginn seiner Afrika-Reise am Dienstag betont, die Aids-Epidemie auf dem Kontinent könne nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Dies vertiefe die Probleme nur, sagte der Papst während des Fluges von Rom nach Kamerun.
(so meldete es etwa die Nachrichtenagentur epd)

Auffallend ist, dass ALLE Agenturen nur in indirekter Rede über die angeblichen Papstäußerungen berichten. Außer natürlich die Kirchenhasser von "Spiegel online", die die wörtlich gelogene Schlagzeile mit angeblichem wörtlichen Papstzitat produzierten:

"Die Benutzung von Kondomen verschlimmert das Aids-Problem"

Vielleicht ist ja dies der Grund: Seit heute Vormittag ist die wörtliche Mitschrift der improvisierten Pressekonferenz des Papstes in seinem Flugzeug verfügbar. Und die liest sich in der deutschen Übersetzung wie folgt:

Frage: Heiligkeit, unter den vielen Übeln, die Afrika heimsuchen, steht besonders die Verbreitung von Aids. Die Haltung der katholischen Kirche über die Art und Weise, wie das zu bekämpfen sei, wird oft als unrealistisch und wirkungslos betrachtet. Werden Sie dieses Thema während der Reise ansprechen?

Papst Benedikt XVI.: Ich möchte das Gegenteil behaupten: Ich glaube, dass die wirksamste und im Kampf gegen Aids präsenteste Organisation eben diese katholische Kirche mit ihren Bewegungen und unterschiedlichen Strukturen ist. Ich denke an die Gemeinschaft
Sant' Egidio, die im Kampf gegen Aids so viel im Sichtbaren und im Verborgenen tut, ich denke an die Kamillianer und all die Ordensschwestern, die den Kranken dienen (...)
Ich würde sagen, das Problem Aids kann man nicht bloß mit Werbeslogans überwinden. Wenn die Seele fehlt, wenn die Afrikaner sich nicht selbst helfen, kann diese Geisel nicht mit der Verteilung von
Kondomen beseitigt werden: Im Gegenteil, es besteht das Risiko, das Problem zu vergrößern. Die Lösung kann nur mit einem doppelten Engagement gefunden werden: Das erste ist eine Humanisierung der Sexualität, das heißt eine geistige und menschliche Erneuerung, die eine neue Art des Umgangs miteinander bringt. Und das zweite eine wahre Freundschaft auch und vor allem mit den Leidenden, die Bereitschaft, bei ihnen zu sein, auch mit Opfern und persönlichem Verzicht.
Dies sind die Faktoren, die helfen und die auch zu sichtbaren Fortschritten führen. Deshalb möchte ich sagen, ist es diese unsere doppelte Anstrengung, den
Menschen innerlich zu erneuern, ihm geistige und menschliche Kraft für ein Verhalten zu geben, das dem eigenen Körper und dem des anderen gerecht wird, und diese Fähigkeit, mit den Leidenden zu leiden, da zu bleiben in den Prüfungen des Lebens. Mir scheint, dass dies die rechte Antwort ist und dass die Kirche dies tut und damit einen sehr großen und wichtigen Beitrag leistet. Danken wir all jenen, die das tun.

Und so wird klar: In einem Klima des inzwischen komplett recherchefreien "Journalismus'" wurden die Worte des Papstes auf geradezu diabolische Weise verkürzt und verdreht. Es ist der Versuch einer medialen Hinrichtung.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es ist immer wieder eine Freude, Ihre Kommentare zu lesen. Insbesondere die Quellen sind einsame Spitze. Früher fand man so etwas in der Welt oder der FAZ - doch das ist leider lange her. Bitte machen Sie so weiter und halten Sie das hohe Niveau!
Alles Gute!

H. Adam

Anonym hat gesagt…

Sehr schön geschrieben. Wie Medienpropaganda funktionieret - ein schönes Essay "Morgenröte" auch hier: http://tinyurl.com/d4ga2sv