Mittwoch, 10. Januar 2007

SPD will Entmündigung der Eltern

Von der dämmernden Öffentlichkeit nahezu unbemerkt hat sich die Regierungspartei SPD endgültig von der (verfassungsgemäßen) Wahlfreiheit der Eltern bei der Art der Kinderbetreuung verabschiedet. Mit ihrem jüngsten Vorstandsbeschluss wagt die Partei nun die Wende. Jetzt bekennt sie sich offen zur Formel vom "Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung", die der Ex-SPD-Generalsekretaer (und heutige MdB) Olaf Scholz einst so treffend umschrieb: "Wir wollen die Lufthoheit über den Kinderbetten erobern". Also ist in dem SPD-Papier das Wort "Wahlfreiheit für Eltern" nirgendwo mehr zu finden. Stattdessen heisst es nun wörtlich:

"Wir treten ein für ein neues Verhältnis von öffentlicher und privater Verantwortung fuer Kinder. Dabei stehen für uns drei Handlungsfelder im Mittelpunkt:

· Individuelle Förderung von Anfang an,

· Hilfe und Unterstützung fuer Eltern

(....)

Die Vorrangigkeit "öffentlicher" (= staatlicher) vor "privater" (= elterlich-familiärer) Verantwortung ist der rote Faden des gesamten Papiers. So formuliert die Partei den Grundsatz, eine bessere finanzielle Ausstattung für Familien sei weniger wichtig als der Ausbau öffentlicher Infrastruktur. Und im sozialdemokratischen Kosmos findet die geforderte "Individuelle Förderung von Anfang an" offensichtlich nur in Kindertagesstätten statt. Von Eltern ist in diesem Zusammenhang nicht mehr die Rede. Sie tauchen zwar noch auf - allerdings als von der "Kinderbetreuungslast"-Befreite, die "nicht mehr entscheiden müssen zwischen Beruf (1) und Familie(2)." Dank einer guten Betreuungs-Infrastruktur hätten sie dann die "Gewissheit, dass ihre Kinder eine anregende, liebevolle Betreuung erfahren, während sie ihrer Berufstätigkeit nachgehen."

Anstelle der Stärkung der Eltern also Stärkung des Staates, der die Eltern ersetzt.

(Nach wie vor instruktiv zu diesem Thema ist das Heidelberger Familienbüro, dem wir diesen Hinweis verdanken!)

Kommentare:

Schlapumpel hat gesagt…

"Olaf Scholz einst so treffend umschrieb: 'Wir wollen die Lufthoheit über den Kinderbetten erobern'."

Es zeigt sich immer wieder, wie Kanzler Bismarck mit seinem „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ recht hatte.

Monsieur Porneaux hat gesagt…

Dieser Beitrag kann nur in einem deutschen Blog auftauchen, denn die Ablehnung einer staatlichen Betreuung zugunsten einer Betreuung durch die Mütter ist eine sehr deutsche Frage.

Im europäischen Ausland wird dieses ganz anders gehandhabt:
- In Schweden, z.B., bekommen Paare mit Kindern steuerliche Freibeträge nur, wenn BEIDE Partner arbeiten, für die Kinderbetreuung zahlen Schweden allerdings auch nur umgerechnet € 190,-, übrigens nicht je Kind, sondern JE PAAR (und die Kindergärten haben eine 24 Stunden / 7 Tage-Besetzung);
- in Dänemark werden 92% der Kinder unter einem Jahr in Kinderkrippen betreut;
- und in Frankreich musste eine befreundete Mutter eines Kindes (eine Akademikerin) sich vor ihren Nachbarn und Bekannten rechtfertigen, warum sie einen Monat nach der Geburt ihres Kindes noch nicht wieder arbeitete.

Dieses ist in Deutschland undenkbar, hier gilt als "Rabenmutter", wer nach einem JAHR wieder anfängt, zu arbeiten.
Dieses mag auch der Grund sein, wieso 44% aller Akademikerinnen zwischen 29 und 44 Jahren in Deutschland sich für die Karriere und gegen ein Kind entscheiden.

Nun, dieses Phänomen teilen wir Deutschen allerdings mit ein paar anderen europäischen Ländern, und zwar denen, die eine faschistische Vergangenheit haben.
Offenbar misstraut man hier einer staatlichen Einflussnahme mehr als in anderen Ländern, mit dem Erfolg, dass fast 50% aller Akademikerpaare keine Kinder bekommen.
DAS ist die mich schockierendste Tatsache daran.

Wir (ein Paar, beide Akademiker, beide arbeiten) wenden für die Betreuung unser beider Kinder (1 und 4 Jahre alt) monatlich über € 850,- auf, der staatliche Zuschuss beträgt € 32,- (!).

Viel Spaß noch in einem Deutschland, welches somit trefflich kinderfrei gehalten wird,
wünscht

Monsieur Porneaux